... grad' auf heise.de gelesen: "Amazon übernimmt DPReview.com". Für alle die die Website von Phil Askey nicht kennen. DPReview ist die Anlaufstelle für die besten und ausführlichsten Tests von Digitalkameras, die ich kenne. Auch wenn Phil die Website mittlerweile kommerziell nutzt, ist sie dennoch ein Paradebeispiel für ein unabhängiges Testmagazin im Web 2.0 Stil. Neben den hervorragenden Testberichten gibt es ein riesige Community, die...
- ein Forum mit Inhalten füllt
- Kommentare zu den Tests schreibt und
- alle Produkte selbst noch einmal bewertet
Was bedeutet es nun, dass Amazon DPReview kauft?
Ganz einfach: Einer der größten Online-Händler der Welt kauft eines der einflussreichsten communitygetriebenen eZines in einem der größten Umsatzsegmente (Digitalkameras).
Doch warum ist das pervers?
Im Web 2.0 wird es immer schwieriger seine Zielgruppe mit klassischen Werbemethoden zu erreichen. Durch die soziale Vernetzung der Menschen im Internet informieren sich immer mehr Konsumenten über Produkte und Dienstleistungen unabhängig mittels Foren, Weblogs oder Social Shopping Dienste (wie z.B. DealJäger). Die Einflussmöglichkeiten auf den Kunden schwinden kontinuierlich. Für Unternehmen heißt das im Umkehrschluß: "Wenn die Zielgruppe meine normalen Werbebemühungen verschmäht und sich immer stärker vernetzt und in Communities organisiert, dann muss ich ebenfalls Teil der Community werden, um sie zu erreichen."
Ob und wie das funktionieren kann, habe ich in meinem Artikel "Social Media Optimization: So binden Sie Ihr Zielgruppennetzwerk ins Marketing ein" ausführlich analysiert. Einen Aspekt habe ich dabei aber vollkommen vergessen: Das große Unternehmen sich ihren Platz in der "Community" einfach kaufen könnten. Denn die Frage ist ja: Was will Amazon mit DPReview?
Mal ganz abgesehen davon, dass beide - Phil Askey und auch Amazon - betonen, dass DPReview unabhängig bleiben soll, verfolgt doch jedes Unternehmen eine Gewinnmaximierungsabsicht. Diese sagt Amazon eindeutig: DPReview hat einen riesigen Einfluss auf die Käufer von Digitalkameras, warum nicht diesen Einfluss auf den Shop erweitern, bei dem die Kameras gekauft werden? ... Noch weiter gedacht...Warum diese Strategie nicht auf jede größere Produktkategorie ausweiten? Man kaufe sich bekannte Social Media Angebote und erweitere ihren Einfluss auf den Shop, bei dem die Produkte gekauft werden sollen. Geschickt angfangen, dürfte das Gros der Konsumenten diese Beeinflussung noch nicht einmal merken.
Mal sehen, ob das wirklich Amazons Strategie ist. Wenn ja, könnte sich hier ein interessantes Untersuchungsfeld ergeben. Meine These: Das Gros der Konsumenten interessiert nicht, ob ein Shop bevorzugt empfohlen wird, soweit die Seite von ihrem Kernfokus her weiter inhaltlich gute Infos bietet. Heikel wird es erst, wenn in die redaktionelle Freiheit eingegriffen wird, also bestimmte Kameras mit hohen Margen "besser abschneiden" als sonst... dann dürfte es einen Aufschrei geben in der Community.

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